Was ist Gestalt? Drucken E-Mail

Die Gestalttherapie ist eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und gehört zu den wichtigsten humanistischen Therapieformen.

Menschen- und Weltbild

Das Menschen- und Weltbild der Gestalttherapie leitet sich aus ihren theoretischen und philosophischen Grundlagen ab (Gestaltpsychologie, Existentialismus, Phänomenologie, Feldtheorie, Holismus und später auch Zen-Buddhismus). Sie geht von einem ganzheitlichen holistischen Konzept der menschlichen Natur aus, in dem Körper, Geist und Psyche eine Einheit darstellen.

Das Wort "Gestalt" geht zurück auf die Gestaltpsychologie des frühen 20. Jahrhunderts (Max Wertheimer), wonach Menschen wahrgenommene Teile zu einer für sie sinnvollen, geschlossenen Ganzheit organisieren. Aktuelle Wahrnehmungen werden also in sinnhafte Zusammenhänge eingeordnet, die durch vorhergegangenes Lernen bereits angelegt sind.

Gestalttherapie arbeitet mit der Erkenntnis, dass Wahrnehmung die menschliche Wirklichkeit konstruiert. Es geht ihr um die Verbesserung der Wahrnehmungsfähigkeit von Menschen, deren aktuelles Erleben von Vergangenem überlagert und beeinträchtigt wird. Beispiel: Jemand hat in der Vergangenheit einen Einbruch miterlebt und fürchtet bei jedem Türklingeln erneut, überfallen und beraubt zu werden. 

Aufgabe einer Gestaltherapie ist es, die Wahrnehmung von Gefühlen, Körper und Gedanken so zu entwickeln, dass daraus eine gegenwärtige, ganzheitliche Bewusstheit (Gewahrsein) entsteht, die es erlaubt, sinnvolle, heilsame Zusammenhänge zu bilden, Erfahrungen zu integrieren und neue Herausforderungen des Lebens mit Flexibilität und Lebensfreude anzunehmen.

Gestaltarbeit unterscheidet sich von anderen Formen der Therapie und Beratung u.a. durch
  • - die gleichberechtigte Haltung des Beraters/Therapeuten gegenüber dem Klienten (dialogische Haltung)

  • - die Würdigung der Selbstregulierungskräfte der Klienten (Fähigkeit zur kreativen Anpassung)

  • - die Theorie, dass psychische/organismische Störungen immer Störungen im Kontaktprozess von Organismus und Umwelt sind

  • - die Vielfalt innovativer Methoden zur Kontakt- und Bewusstheitsförderung (experimentelles Lernen)
Behandlungsmethoden

In der Gestaltarbeit sind Techniken nachgeordnete Hilfsmittel, die den Prozess des Klienten fördern, aber nicht steuern sollen. Viel wichtiger ist die dialogische Beziehung zwischen Therapeut und Klient, in der sich der Therapeut engagiert, authentisch und mit selektiver Offenheit einbringt. Als authentischer Partner ist der Therapeut unterstützend und zuweilen frustrierend, in Vordergrund steht jedoch, dass der Klient seine eigenen Antworten findet.

Grundlegende Techniken sind: Bewusstseins-Kontinuum, Traumarbeit, Körperwahrnehmung, Übertreibung, Dialog mit abgespaltenen Teilen oder imaginären Personen, Rollenspiel, paradoxe Interventionen, geleitete Phantasie, Konfrontation etc.

Anwendungsbereiche

Die Gestalttherapie ist vielfältig anwendbar: bei psychischen und psychosomatischen Störungen wie z.B. Neurosen, Persönlichkeitsstörungen, affektiven Störungen, Depressionen, Essstörungen, Suchtverhalten, in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen sowie Paaren.

 

 


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